Aktuelle Projekte und Forschungsinteressen

Forschungsinteresse

    • Mobilität, kulturelle Kontakte und Technologietransfer in der Bronze- und Eisenzeit Europas
    • Bestattungssitten und -rituale vom Neolithikum bis zur Eisenzeit
    • Archäologische Geschlechterforschung
    • Wissenschaftsgeschichte: Archäologinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts


Aktuelle Vorträge

Von der Ausnahme zur Normalität. (Bald) 150 Jahre Frauen in der Archäologie Schleswig-Holsteins
September 2020, Deutscher Archäologie-Kongress (virtuell), Session "Aussenseiter*innen, Randgruppen und andere Unsichtbare" der AG TidA

Zwar steigt die Anzahl der weiblichen Studierenden in den archäologischen Fächern bundesweit kontinuierlich über 50 %, dennoch kann weiterhin eine Abnahme des Frauenanteils spätestens nach der Promotionsphase mit anschließendem Berufsbeginn festgestellt werden (vgl. DISCO. Discovering the Archaeologists of Germany 2012-14). Zum einen liegen die Ursachen sicherlich in den vielen Herausforderungen, die eine Karriere von Frauen in der Wissenschaft aktuell behindern können. Zum anderen fehlen aber auch Vorbilder für weibliche Berufswege im direkten Umfeld wie im gesamten Fach. Bei letzterem Aspekt setzt das Projekt einer mobilen Ausstellung „Die Vergangenheit aufdecken. Frühe Archäologinnen in Schleswig-Holstein“ an, das 2020 im Rahmen des Ideenkontests 3.0 der Gleichstellungsbeauftragten der Philosophischen Fakultät CAU Kiel mit weiterer finanzieller Unterstützung durch den Förderverein Archäologie Schloss Gottorf e.V. umgesetzt wird. Neben einer inhaltlichen Vorstellung des Konzepts und der Biographien der sechs ausgewählten Archäologinnen, von denen bislang immer nur Prof. Dr. Johanna Mestorf im Focus der forschungsgeschichtlichen Interessen stand, soll der weitere Weg der Frauen in die Wissenschaft diskutiert werden. Zwar wurde das Studium einer anfangs als Minderheit begriffenen Gruppe nach 100 Jahren Frauenstudium zur Normalität; die anschließenden Berufsmöglichkeiten entsprechen jedoch nicht der von männlichen Vorbildern geprägten Norm beruflicher Laufbahnen. An diesem Punkt interessiert die Relevanz für die heutige Generation, auf weibliche Vorbilder und Vorkämpferinnen zurückzugreifen zu können. Gleichzeitig wird hinterfragt, wieso gerade jetzt ein solches Ausstellungsprojekt realisiert werden kann.

Eisenzeit-Forschung zwischen Infektionsschutz und Schreckensnachrichten. Globale "Midlife-Crisis" oder längerfristiger Richtungswechsel? (Vortrag angemeldet)
Oktober 2020, 9. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie

Nach den ersten Wochen des Shutdowns und Lockdowns in Europa setzt in den Wissenschaften die Reflektion der aktuellen Ereignisse ein. Während wir uns von Berufs wegen mit der Vergangenheit und kulturellen Veränderungen in einer Langzeitperspektive beschäftigen, werden wir persönlich mit (relativ) plötzlichen Ereignissen konfrontiert, die politische und kulturelle Veränderungen mit sich bringen werden. Was bedeutet das für uns als Archäologinnen* mit Spezialisierung Eisenzeit? Sicherlich hatten wir uns bereits in den letzten Jahrzehnten Themen zugewandt, die dem aktuellen Zeitgeist entsprachen, wie Umwelt, Mobilität, Konflikte, soziale Organisation und Geschlechterrollen. Teilweise wurden dabei unsere Themenschwerpunkte von der Wirklichkeit hinsichtlich Forschungsdringlichkeit und Interesse der Allgemeinheit quasi eingeholt, wie bei dem Komplex „Mobilität, Migration, Kulturtransfer, Akkulturation“ mit dem Sommer der Migration 2015 geschehen. In diesem Jahr kulminieren die Ereignisse und es ist global nicht abzusehen, was sich noch bis zum Herbst ereignen wird.
Wie begegnen wir nun der aktuellen Situation? Ziehen wir uns zurück in die Eisenzeit zu unseren Forschungsprojekten (solange die Arbeitsverträge bestehen) und berufen uns auf die Notwendigkeit der Grundlagenforschung? Kümmern wir uns weiterhin um Materialeditionen, Datierungsproblemen und Rekonstruktion sozialer Strukturen? Oder stellen wir unser eigenes Tun in Frage? Ist Archäologie, insbesondere das Wissen um die Periode der europäischen Eisenzeiten, wichtig für die Lösung der aktuellen Menschheitsprobleme? Was können wir beitragen zu Klimaschutz, nachhaltiger Wirtschaft oder sozialer Organisation?
Wie können wir reagieren? Reichen neue Ausstellungsvitrinen aus oder führt die Frage nach der „Nachhaltigkeit“ unseres Tuns weiter? Sind wir aufgefordert, nicht nur das private Verhalten zu überdenken, sondern auch unser wissenschaftliches?
Inhalt und Fazit des Vortrags ist noch komplett offen, da ich noch nicht weiß, wohin mich diese Sinnfragen führen werden. Bereits im Vorfeld der Tagung freue ich mich über Briefe und Mitteilungen, wen sich jemand angesprochen fühlt, mitzudenken.

Dokumentarfilm "Terra X. Mächtige Männer - ohnmächtige Frauen? Neue Fakten aus der Vergangenheit"
Mit dem Film werden die aktuellen Diskussion in der Archäologie zur Geschlechterforschung aufgegriffen und an verschiedenen Fallbeispielen vom Jagdverhalten altsteinzeitlicher Gruppen über die Unterordnung von Frauen in der Bronzezeit bis hin zu der Wikingerkriegerin aus Birka vorgestellt. Ich habe mich der Aufgabe gestellt, für diesen Dokumentarfilm im Juli 2019 Rede und Antwort zu stehen und den forschungsgeschichtlichen Hintergrund zu erläutern. Ein Dank geht an die Kolleginnen  von FemArc e.V., die mich bei den Recherchen für das Interview unterstützt haben. Der Film wurde von der Regisseurin Birgit Tanner von der Gebrüder Beetz Filmproduktion Hamburg im Auftrag der ZDF- und arte-Redaktion erstellt. Ausstrahlung der TerraX-Fassung am 12. Juli 2020.


Habilitationsprojekt
VillingenDSC04458„Integration fremder Individuen in bronze- und eisenzeitlichen Gesellschaften Süddeutschlands. Eine archäologische Analyse“ im BMBF-Projektverbund „Lebenslaufrekonstruktion mobiler Individuen in sesshaften Gesellschaften“
Das Forschungsvorhaben ging der Frage nach den Wechselbeziehungen zwischen geschlechterspezifischen Mobilitätsstrukturen und dem kulturellen Wandel – ausgelöst durch einen nachhaltigen Technologietransfer – am Beispiel je eines prägnanten Gräberfeldes aus den beiden Innovationshorizonten Frühbronzezeit (Ende 3. Jahrtausend v.Chr.; Gräberfeld von Singen) und Frühe Eisenzeit (7.–5. Jahrhundert v. Chr.; Grabhügel Magdalenenbergle) in Mitteleuropa nach. Als Basis für die weiterführenden Interpretationen diente die Rekonstruktion individueller Lebensläufe anhand archäologischer und archäometrischer Daten. Letztere sind Ergebnisse aus der im Rahmen dieser Arbeit neu entwickelten archäologischen Integrationsanalyse sowie aus der multiplen Isotopenanalyse. Die Verknüpfung von natur- und geisteswissenschaftlichen Methoden ermöglichte die Überprüfung bisheriger Thesen zum Kulturwandel in den betreffenden Perioden sowie konkrete Aussagen zu individuellen Mobilitätsverhalten, die einen neuen Beitrag zur sozialarchäologischen Forschung leisten können. Die Synthese des Projektes obliegt dem archäologischen Teilprojekt.

 

Ausstellungsprojekt
Die Vergangenheit aufgedeckt. Frühe Archäologinnen aus Schleswig-Holstein

Mit der Wanderausstellung wird den Studierenden der CAU Kiel Vorbilder für weibliche Berufswege aus den Generationen der ersten Wissenschaftlerinnen vorgestellt. Das anhaltende Schweigen zu den Leistungen von Archäologinnen im 19. und frühen 20. Jahrhundert und die gleichzeitige Fokussierung auf ein paar wenige Ausnahmen wie die Kieler Museumsdirektorin Prof. Dr. h.c. Johanna Mestorf wird damit weiter aufgebrochen.
Das Projekt „Archäologinnen aus Schleswig-Holstein“ soll im Frühjahr 2020 die Biographien und berufliche Laufbahnen von Frauen, die entweder in Kiel promoviert wurden oder an der CAU sowie in Schleswig-Holstein gearbeitet haben, für eine breitere Öffentlichkeit aufbereiten. Focus liegt dabei auf den Leistungen und Erfolgen der Frauen sowie den Widerständen, die zu Anpassung, Umwegen und Brüchen in ihren Biographien führten. Ein Einführungstext ordnet die Biographien in die Geschichte der Frauenbildung und in die wechselnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Frauen in der Wissenschaft vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik ein.
Die Ausstellung wird 14 Roll-ups umfassen (1x Einführung, 6x Biographien, jeweils in Deutsch und in Englisch), die flexibel aufgestellt werden können. Kooperationspartner sind das Institut für Ur- und Frühgeschichte, das Institut für Klassische Altertumskunde, Abt. Klassische Archäologie und der Förderverein Archäologie Schloss Gottorf e.V. Die Ausstellung wird voraussichtlich ab 2021 im Rahmen von Veranstaltungen und Fachtagungen an der CAU sowie an verschiedenen Museen in Schleswig-Holstein präsentiert.

 

Publikationen
Hochdorf VIEin aktuelles Verzeichnis meiner Publikationen finden Sie online <https://independent.academia.edu/JuliaKatharinaKoch> und hier zum Herunterladen.  ≪pdf-Datei Literaturliste≫